How To Knight

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      Servus lieber Osten,

      ich traue mich mal aus dem Schatten. Diesen Bastelthema will ich meinen Ritterbasteleien widmen und stetig erweitern. Dabei soll es sowohl um Ausrüstung im zivilen als auch militärischen Aspekten gehen. Beginnen will ich mit einer Einleitung zum Konzept.
      Als ich Amalrich begonnen habe war mein Ziel eigentlich etwas für meine Reenactment-Sachen zu finden damit sie wieder genutzt werden. Von daher habe ich ganz "plump" mein 1270er-Ritter-Kitgenommen und es ... naja ... verwertet. Also hab ich das Kit genommen und mir angesehen (erstes Bild im Anhang von links).
      Entwicklung Amalrich.jpg


      Das Grundkonzept war also gelegt. Allerdings wollte ich ein wenig mehr "Freiheiten" bei der Gestaltung. Schnell also war der Gedanke gefasst mit der Ausrüstung ein wenig zu schieben, also hab ich mir erlaubt mich kreativ weg vom Hochmittelalterlichen Look hin zum frühen gotischen Look zu bewegen. Anfangs dachte ich da noch stark an dennoch klassische Rüstung. Kette, Topfhelm, der ganze alte Kram halt. Allerdings gab es den Helm nicht mehr. Den hatte ich weg gegeben. Ein neuer Helm musste also her. Und da blieb ich bei einem schönen Stück hängen, einem Visierhelm den ich bei näherer Suche dann auf... 1425 datieren konnte... Mist... zu weit weg vom Ziel. Dann aber viel mir was auf... es ist LARP... ich hab Freiheiten soviel ich will. Also her mit dem Helm. Ziemlich zufrieden fuhr ich also aufs VaraCon 0.5, rüstete noch etwas nach Ailetten weil es einfach geil ist, Eisenbeinzeug weil das perfekt in mein gewünschtes Bild eines gotischen Rittertyps passte (Ziel war vom Bild her grob um 1350 zu sein und sieht man im Anhang in der Mitte) und Armschienen, welche so gar nicht passten, ständig über die Kette zu den Handgelenken rutschten und somit weg mussten. Nach dieser und am Chroniken '19 statt gefundenen Bluttaufen für diesen Rüstungstyp kam dann die Entscheidung noch Armzeug nachzurüsten, ein neues Schild wegen neuen Lehen ebenso und zack! - der Look(Bild rechts) wechselte wieder etwas. Dazu kam also dann noch der Wunscht einen "einfachen" Helm zu haben. Einen mit mehr Sicht. Also machte ich mich auch daran.

      Die folgenden Beiträge beginnen genau damit. Mit dem Helm...
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      Hold my Schlehenwein....
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      Wie schon gesagt. Ich war eigentlich (oder bin es immer noch) sehr glücklich mit meinem Visierhelm. Er gibt geschlossen eine wunderbar stoische Maske ab die den Gegner kalt anstarrt, geöffnet sieht man genug und bei Regen und Hagel ist er super praktisch denn das Gesicht bleibt vom Regen verschont (Schattenpasserprobt...).
      Visierhelm geschlossen.jpgVisierhelm offen.jpg
      Er hat aber einen Nachteil. Er ist sakrisch schwer und geschlossen sieht man halt, wie so üblich, nicht so viel wie offen. Daher keimte in mir die Idee einen "schweren Helm" zu haben, eben den Visierhelm und dann einen "leichten Helm" und da ich mich von den Vorbildern her eh im 14. Jahrhundert bewegen wollte, was lag näher als den leichten Helm aus genau dieser Zeit zu nehmen. Also suchte ich nach einer Bascinet in dem Stil
      Vorlage Bascinet.jpg
      Was solch einen Helm ausmacht ist, dass man ihn eigentlich unter einem großen Topfhelm getragen hat (der zu sehende Löwe gehört zur Helmzier eben eines solchen) Die Kette ist befestigt am Helm und gehört mit einer Polsterung unterfüttert. Er ist sehr viel leichter als ein Visierhelm, die Sicht ist natürlich bedeutend besser und - vor allem - er wurde tatsächlich im Fußkampf genutzt. So kann ich künftig für das "Tagesgeschäft" den leichten Helm benutzen und für die große Schlacht den Visierhelm. Da fühl ich mich im Wald dann doch um einiges sicherer (die Nachtanreise am VaraCon 0.5 war cool, aber mit Visierhelm schon echt knackig. Da doch lieber den leichten Helm).

      So neues Projekt also gefunden jetzt musste ich nur noch einen passenden Helm finden und wie es der Zufall so wollte, einer unserer Widderacher hatte sich einen gekauft mit dem er unzufrieden war und den er abstoßen wollte. Diesen Helm hab ich mir mitbringen lassen, getragen, wir alle haben gelacht wie dämlich das Ding aussieht, wie unförmig, billig verbaut das Ding ist und ich hab ihn gekauft in dem Wissen, dass hier viel Arbeit auf mich warten wird.



      Und deshalb werde ich euch jetzt auf eine emotionale Reise mitnehmen um euch zu zeigen wie aus dem oben zu sehenden Mistding der Helm unten wurde
      Helm vorher nachher.jpg
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      So. die Vorlage also ist gelinde gesagt... einfach fabriziert. Die Kette viel zu weit, lasch hängend, der Nasal wackelt wie bekloppt hin und her und hängt man ihn ein hat man am Kettenhemd Bulldoggenlefzen. Es ist also klar, dass eine Polsterung ran muss. Aber was machen mit dem Lederband an dem die Kette hängt. Ich schaue beim Basteln immer gern YouTubeClips von inspirierenden Leuten was Ritter-Stuff angeht. Als ich überlegt habe was ich mit dem Bascinet alles machen will z.B. war es Knight Errant, genauer gesagt seinen Beitrag über "The Anatomy of a Bascinet". Dabei ist mir aufgefallen, dass das Lederstück selbst welches die Kette trägt selbst ja kunstvoll sein kann, ja sogar mit einem Stück Metall belegt sein könnte (überlege das mal irgendwann nachzurüsten). Also dachte ich, ich könnte ja das Lederstück einfach ersetzen.
      Entkernter helm.jpgAlso erstmal alles ab und das schlimmste Problem beheben. Die viel zu laberige Kette. Ich hab mich dafür entschieden das vordere Stück einfach zu entfernen und hab mich schon vor der extrem nervenden Aufgabe gesehen mich mit Trötringen zu beschäftigen. Also immer ein Ring mehr im Geflecht damit das Ergebnis schräg wird. Was soll ich sagen, ich hasse Trötringe. So richtig. Auf halben weg hatte ich dann aber eine Idee. Ich hab einfach nach entfernen der Front das nun gerade Stück (auf dem die Zangenspitze liegt auf dem Bild) ebenfalls abgemacht und das entfernte Frontstück mit den Trötringen einfach wieder dran gemacht. Tja man kann ruhig keine Ahnung haben, man muss nur wissen wie man das umgehen kann... ;)

      Nachdem das dann erledigt kam dann die nächste große Frage. Mach ich jetzt ernsthaft das schlecht ausgeschnittene, alte Lederband ab um dann jeden. Einzelnen. Ring. Neu. Verlochen. Und. Einfügen. Zu. Müssen. Ufff...

      Also erstmal Kette in die Ecke, kein Bock auf den Stress. Das mach ich im Winter, bla bla. Bis mir eingefallen ist, dass ich in dem Video gesehen habe, dass das Lederstück mit einem Stück Metal überzogen sein kann. Und wenn das mit Metall geht dann geht das auch mit Leder... Also dann, lass mal Leder drauf spannen. Überdeckt den hässlichen Part, sieht geil aus, kann verziert werden wie ich will.









      Kette enger machen.jpgErstmal aber konnte ich so die Kette wieder befestigen und, ja es war schonmal enger. Das war schonmal besser als vorher. Gut man erkennt schon, es muss noch Polsterung her damit die Kette "den Halt" von der Vorlage hat, aber das war dann der letzte Schritt. Erstmal musste ein Stück Leder ausgeschnitten werden für die Befestigung.
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      Schmuckes Leder über altes Leder.jpgDas Schmuckleder also. Ich hab die Kette wieder samt des Lederstücks abgemacht, abgemessen, auf einen schönen Lederrest in Rot übertragen, diesen ausgeschnitten und das alte Leder mit einer Ahle gelöchert und mit dem neuen schmucken Leder vernäht. quasi einfach überdeckt. Am Ende musste ich nur noch die Löcher im Leder nachstanzendurch welches dann die Metallösen am Helm durch mussten. Die Frage was ich benutze um das Leder künftig am Helm zu halten hab ich mit Wollkordel beantwortet und dabei gleich ein neues meditatives Hobby für nebenbei Fernsehen gefunden für mich. Ich mach jetzt in billigen Schnüren... :D

      Schnüre.jpgDiese sind schnell gemacht (pro Stunde locker zwei Meter), halten Wunderbar, sind nützlich für Helme, Schnüre am Gambeson, Kleidung und Beinlingen, sie sind einfach genial einfach. Das Ganze dann am Helm befestigt gibt dann schon eine Optik mit der ich Grundlegend zufrieden war. Hier und da ne Zierniete und fertig ist der Grund-Look





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      Es folgen doofe Bilder...
      Schnittmuster mit Winkel.jpgSchnittmuster Polsterung des Bascinets.jpgDenn nun geht es um die Polsterung und sowas beginnt mit viel anpassen und geschnibbel. Ich habe mich für drei Lagen Wolle entschieden, wobei die oberste die Hübsche ist. Ich habe schlicht meine Polsterhaube vom Visierhelm genommen, auf ein Stück Stoff gelegt und dieses dann kopiert. Dann hab ich das Ganze einfach bis Höhe Sternum am Brustbein verlängert und unten mittig einen Schnitt gemacht an der Stelle an der dann wohl einmal die Schulter sein soll und meiner Meinung nach ein Winkel rein gehören würde. Wenn man den ersten Schritt gemacht hat, setzt man das Ding auf, guckt ob man den mittleren Schnitt richtig gesetzt hat und schätzt mit Metermaß wieviel Winkel da an die Seite muss. Ich kam auf eine Höhe von 20 cm und eine Breite von 50.
      Und wenn man das dreimal macht und zusammenfügt kommt dann sowas dabei raus. und wenn man dann mit dem Bene schreibt sowas.Polsterung ganz roh.jpg Wenn man einmal mit dem Bene spricht....jpg



      Um es kurz zu machen, Fehdebrief is raus! :P

      Wo war ich? Ach ja... Polsterung... Jetzt also Testtragen und abschätzen ob man zu wenig Stoff hat oder nicht. Das würde ich jedem empfehlen mit dem ersten, hässlichen Wollstoff zu machen. Dann stellt man nämlich, so wie ich, fest. Es ist zu kurz. Ist dann aber total klug, so wie ich. Denn man kann das Stück ja mit Stückelungen erweitern und das hässliche Ding dann benutzen als Vorlage für die anderen schönen Stücke. Das hässliche lässt man dann als Mittelstück verschwinden. Leichen vergraben... kann ich...

      Dann verbindet man das Ganze mit schnellen Stichen und - was ich dringend empfehlen würde, macht sich ans Absteppen. Es ist nicht wichtig, dass die Stiche eng beieinander liegen, aber durch die Steppung erhält das Wollkonstrukt einen ganz anderen Halt. Und ja am Mund ist die Wolle drüber und soll so nicht sein. Aber man muss bedenken, da soll Kette dran genäht werden. Das wiegt etwas. Macht man die Gesichtsöffnung zu groß hängt das wieder durch. Ist es dann beim Test zu klein kann man das immer noch erweitern.

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      stimmt die Kette.jpgJetzt also probiert man rum ob die Öffnung für's Gesicht passt. In meinem Fall hatte ich echt Glück, war genau richtig. Der nächste Schritt dauert, denn jetzt muss man die Kette am Gesicht und unten grob fixieren. Danach folgt das Umhüllen des Randes mit etwas ,was die Fixierung überdeckt. Ich habe es erst mit Leder am Gesicht versucht (linkes Bild unten). Das war aber mal sauber zu dick, sah kacke aus und musste wieder weg. Hab mich dann dafür entschieden mit dicken Wollstoff einfach zu umsäumen, was viel besser war (rechtes Bild unten).

      Kacke vs. Gut.jpg


      Nun also der Endspurt, doch vorher noch der Schreck. Der Helm hat ein Lederband, welches man durch die Konstruktion mit der Polsterung nicht mehr braucht. Der Helm sitzt auch ohne Bombenfest. Nachteil, das Stück Leder wenn nicht weg oder fixiert ist rutscht herum, verengt dadurch den Helm und stört... Ja und so sieht das dann aus wenn man merkt, dass man an das Mistleder nimmer so leicht ran kommt....

      Wenn du merkst.... 1.jpg

      Und so wenn du checkst, dass oben an der Stirn nicht mit den Helm verbunden ist und du nicht alles auftrennen musst und ganz easy an die beiden Lederstücke ran kommt. Man könnte sie also abschneiden, ich hab sie einfach im Helm oben mit der Schnalle verschlossen. Sie stören nicht, rutschen nicht, die Niete an der sie dran sind wird nicht locker. Außerdem war ich zu faul die Abzuschneiden....

      Wenn du merkst.... 2.jpg
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      der Rand vernäht.jpgder Rand.jpgSo der Rand kommt dran. Wenn es kein Ritter wäre, könnte man das ja auch lassen aber Amalrich is eitel... Also hab ich roten Stoff genommen, Drei Lineallängen in einer Linealbreite ausgeschnitten, miteinander vernäht und diese Dann noch mit den letzten paar Ziernieten versehen die ich hatte (eitel, sagte ich ja). Und fertig ist der leichte Ausgehhelm für den Ritter Amalrich.


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