Kimono, Yukata oder Kosode
So, ich hab jetzt zwei davon genäht - Bilder gibt es morgen mal oder vom Wochenende. Aber ich dachte ich schreib mal auf wie ich das ganze genäht habe.
Schnittmuster
Ich habe dieses Schnittmuster genommen, das war okay bis auf den Kragen und ich habe es etwas vereinfacht: http://www.wodefordhall.com/kosode.htm
Japanische Stoffe kommen - wie historische europäische Stoffe in schmaleren Stoffbreiten. 40cm oder weniger sind nicht selten. Dementsprechend kann man Kleidungsstücke nur aus mehreren Stücken zusammensetzen. Japanisch wird auch selten zugeschnitten sondern einfach mit Umschlag gearbeitet. Klappt natürlich nicht bei mir, Arme und Kreuz sind zu breit für Japanische Stoffe.
Zum Glück kam der schlimme Koi Stoff aber in einer halbwegs modernen 110er Breite, sprich ich war da nicht völlig aufgeschmissen.
Ich habe mal ne Skizze gemacht.
Im oberen Teil sieht man den Schnitt des ganzen. Vier Elemente (Ein Ärmel links, eine Front links, eine Front rechts, ein Ärmel rechts) gerade aneinadergenäht- Wie man sieht sind die auch alle gleich breit - wir erinnern uns schmale Stoffbreiten. Warum alles gleich 41cm breit? Symmetrische Bedürfnisse von Japanern. Die Summe 164cm sind auch genau Handgelenk zu Handgelenk. Dementsprechend ist das unsere Maßvorlage - japanisch würde man hier Nahtzugabe addieren und so breiten Stoff kaufen - aber wir nehmen eh aus einem breiteren Stoff.
Ich habe zur Bequemlichkeit einen Halsausschnitt hinzugefügt, mir saß es dann angenehmer. Dieser ist die einfache Halsbreite - am besten mit Hilfe messen. Ärmelweite sind 40cm weil rechteckige Ärmel (oder beinahe rechteckige Ärmel echt gut aussehen an dem Kleidungsstück.
Der Keil der unten angesetzt wird, ist eine halbe Stoffbahn (wir erinnern uns 41cm, also 20,5cm) breit. Auch hier einfach halten, japanisch und so. Keine Rundungen - höchstens außen an den Ärmeln oder wenn der Ärmel nur teilweise wie ein Scheinärmel sitzt, aber so Experimente mache ich erst in Zukunft.
Diesen wirklich simplen Schnitt habe ich dann NOCHMAL vereinfacht. Weil fuck it, ich habe 110cm Stoffbreite und die werde ich nutzen. Das ist das Bild unten. Dieses Element wird zweimal aus dem Stoff ausgeschnitten (Achtung einmal Spiegelverkehrt ausschneiden, sprich entweder Stoff Vorderseite an Vorderseite legen oder nach dem ersten Zuschnitt RUMDREHEN!)
Habe ich intellektuell gerade eben so hinbekommen, was bei bedruckten Stoffen auch doof wäre, weil der anders aussieht auf der Rückseite.
Das Ding ist die einfachste und billigste Schnittmusterform die ich in 20 Jahren Hobby-Mittelalter-Näh-Gedöns gesehen habe und sie brauch genau folgende Maße: Handgelenk zu Handgelenk ausgestreckt, Halsumfang und Ärmelweite. Der Rest klappt mit nem Geodreieck und Kreide.
Das ganze wird anschließend am Rücken zusammengenäht, Seite bis zum Ärmel genäht, Ärmel umgeschlagen, Kragen zugeschnitten - ich trage 6-7cm (hab zwei Kimono/Kosode/Yukata Chimären genäht), einfach mal ausprobieren was gut aussieht, Unterkiefer sollte nicht berührt werden, aber im Nacken anliegen. Kragen annähen ist schlimm...
Der Kragen - der Endgegner.
Der Kragen ist ein Pisser. Immer. Der Kragen wird traditionell aus mehreren Teilen genäht, aber fuck it, europäische Stoffbreiten.
Meiner ist so lang, wie ein Maßband was um den Nacken gelegt den Bauchnabel erreicht - super esoterisches Maß, macht ihn halt lang genug, dass er im Gürtel verschwindet, die Taille erreicht oder hochsitzende Hakama.
Wir machen folgendes, wir suchen und die Mitte des Nackens am Rücken, und die Mitte des Kragens, dann legen wir Kragen außen auf außen auf den Oberstoff und stecken ihn von diesem Nackenmittelpunkt an beiden Seiten an die Front. Wenn das passt, es keine fiesen Falten gibt, kann man TESTWEISE einmal die andere Seite hochklappen und mit einem kleinen Umschlag ebenfalls an der Kante feststecken. Das wird nicht gut sitzen, aber im Idealfall, kommt man an beiden Seiten gleichweit runter und beide Kanten des Kragens enden auf gleicher Höhe. Wenn nicht, nachbessern. Dann nimmt man die testweise festgesteckte Seite raus und näht mit einem feinen Stich alles fest. Zickzackversäubern kann man sparen, wird eh eingeschlagen.
Dann bügelt man den Kragen um, dass er eine scharfe Kante erhält und flächig aufliegt. Anschließend näht man auch diesen Teil fest. Hier kann man ne Handnaht nehmen und einen Blindstich machen oder man nimmt passendes Garn und macht ne Maschinennaht.