Die Physik des schwarzen Eises – Eine Feldanweisung für den Kampf in den Wintermarschen

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    • Die Physik des schwarzen Eises – Eine Feldanweisung für den Kampf in den Wintermarschen

      Aus dem Feldlager bei Geisterfurt

      Verfasst von Raphael von Langeneck

      Aufgrund der Besondernheiten ihrer Physis erfordert der Kampf gegen das schwarze Eis die Erfüllung besonderer Ansprüche an Material, Technik, Mensch und Wille. Im Folgenden sollen einige dienstbare Hinweise niedergelegt sein, um den Soldaten den Kampf gegen das schwarze Eis zu vereinfachen.

      Die Substanz, aus der die Rakhs bestehen, ist von außerordentlicher Kälte. Diese erfordert bestimmte kritische Materialeigenschaften bei Waffen und Rüstungen, da normaler Stahl bei niedrigen Temperaturen versprödet und bei Aufgabe externer Spannung, etwa durch den Einschlag auf den Turban eines Rakhs, leicht zerspringen kann. Geeignete Waffen werden daher aus kaltzähen Stählen hergestellt. Bislang ist es nach unserem Wissensstand noch nicht gelungen, die Oberflächentemperatur eines Rakhs zu bestimmen, da es schwierig ist, sie dazu anzuhalten, für eine Messung mit dem Quecksilberthermometer still zu halten. Keine der noch nicht ausgestorbenen Kreaturen Mitrasperas vermag infrarotes Licht zu sehen, um über eine Bestimmung der Schwarzkörperstrahlung die Oberflächentemperatur korrelieren zu können. Daher ist die Empfehlung, Material des Typs X10CrNiTi 18-10 zu verwenden. Vorsicht ist jedoch geboten bei Klingen gefertigt aus Halbzeugen der Stahlmanufaktur Illig & Schlech, die scheinbar durch Rückführungskontamination mit Meteoreisen Spuren von Antimon enthalten. Diese Klingen leuchten im Dunkeln in geisterhaften, aber hübschem Blau und verleihen ihrem Träger +2 auf sein Krebsrisiko.

      Ebenso ist zu gewährleisten, dass der Neigung von Stahl, Wärme ganz hervorragend zu leiten, ausreichen Rechnung getragen ist. Da beim Kontakt der Waffe mit dem Rakh Wärne aus dem Soldaten durch die Klinge abfließt und dieser Wärmeabfluss sich über die Stunden des Kampfes akkumuliert, sollte der Griff der Waffe mit dämmfähigem Material, etwa geleimter Holzfaserpressung oder Schilfmatten zum Zwecke der thermischen Isolation umwickelt sein. Überschlägige Vermutungen haben ergeben, dass eine Stärke der Isolation von einer bis eineinhalb Ellen ausreichend sein sollte.

      (Eine geistige Notiz, der Dame Sina den Ausschank von erhitztem Ingwertee mit Honig zu empfehlen) (Addendum: Wahlweise Schnapps)

      Darüber hinaus ist es empfehlenswert für die Soldaten, bevor sie ins Feld ziehen, ihren Verlust an Abwärme zu reduzieren, indem sie freie Hautstellen bedecken, und Bedeckte weiter in ihrer Isolation verstärken, etwa durch Einwickeln in wollene Decken. Ein spezifisches Gewicht von wenigstens Neun Achteln eines Pfundes pro Rechtschritt wird für annehmbaren Wärmerückhalt empfohlen. Vier bis Fünf Deckenschichten sollten ausreichend sein. Der hohe Wärmeverlust über das Gesicht kann durch Verhüllen desselben ausgeglichen werden, dabei ist jedoch der Wert des Verlustes von Abwärme gegen den Verlust von Sehfähigkeit im Einzelfall abzuwiegen.


      Die inhärente Beschaffenheit des schwarzen Eises gibt Anlass für eine Verfahrensmodifikation im Umgang mit ihm. Die übliche Zeitspanne für die Kristallzucht eines Gebildes in der Größe des durchschnittlichen Rakhs liegt im Bereich von Tagen bis Wochen, Rakhs erstehen jedoch binnen Augenblicken. Daher ist davon auszugehen, dass sie nicht als Einkristallrakhs vorliegen, was durch die simple Beobachtung gestützt wird, dass Rakhs üblicherweise nicht durchsichtig sind. Durch die schnelle Zucht ist von einer Fernordnung im Grobgefüge auszugehen, so dass die Gitterbaufehler die Druckspannungsfortsetzung erleichtern. Es empfiehlt sich daher der flächendeckende Einsatz von Mordäxten, Fußstreithämmern, Rabenschnabeln und notfalls Streitkolben oder anderen Wuchtwaffen, um Splitterschäden und andere abrasive Schadensmuster mit Bruchfolge herbei zu führen.

      Darüber hinaus sollten die Soldaten im Feld bedenken, dass Eis aufgrund seiner kristallinen Natur Biegemomenten nur wenig Widerstand entgegen bringt. Bei ausreichend hartem Untergrund ist es widerstandsfähig gegen Belastungen in der Z-Achse, oder einfach gesagt: Drauftreten hilft nicht; aber es bricht, bevor es sich biegen will. Sollte also ein noch nicht erschlagener Rakh über einer sehr schmalen, aber dennoch tiefen Schlucht liegen, ist es ratsam, ihn nicht als Brücke zu verwenden.


      Einer Belagerung durch das schwarze Eis zu Widerstehen ist außerordentlich schwierig, da es durch die repetitive Natur seines Erscheinens nicht möglich ist, eine Abnutzungsschlacht zu gewinnen. Da der Feind auch durch persönliche Affekte wie die Moral nicht in seinem Tun beeinflusst wird, ist das klassische Modell der Belagerung mit Angriffen über Leitern und der Abwehr von Rammen gegen das Tor kein haltbarer Ansatz zur Defensive. Durch die Verwendung von Golems durch das schwarze Eis ist die Haltbarkeit von Mauerwerk ebenfalls stark reduziert, was wiederum gegen die Durchführbarkeit einer erfolgreichen Belagerung spricht.

      Ein Wassergraben scheint eine sinnvolle Option zu sein, da er von den Rakhs nicht überschritten werden kann. Aber in einem Landstrich wie den Wintermarschen, in dem ein guter Teil des Jahres alle Oberflächengewässer überfrieren, ist ein Wassergraben nur eine teiljährige Lösung, was dem Grundgedanken des Festungsbaus durch die schiere Existenz von Sommerfestungen hart zuwider läuft.

      Eine Fortentwicklung des Gedankens ist die Anlage eines Trockengrabens, von wenigstens sechs Schritt Tiefe. Dieser sollte am Besten direkt in das Grundgestein hinein getrieben sein, oder wenigstens durch solide Eskarpe und Kontereskarpe gesichert sein. Durch die geringe Toleranz von Eis gegen Scherspannungen sollten herabstürzende Rakhs am Boden des Grabens zerschellen. Selbst wenn es ihnen gelingt, weich genug aufzukommen, ist die zusätzliche Überhöhung der Mauer durch die Grabenwand ein deutlicher Vorteil.

      Es gibt wirre Thesen, dass sich das Zufrieren eines Wassergrabens verhindern ließe, indem lange, eng gewickelte Schlangen aus Kupferrohr knapp unter der Oberfläche des Grabens verlegt werden. Durch diese Kupferschlagen soll dann heißes Wasser gepumpt werden, dass das Gefrieren der Wasseroberfläche durch den Eintrag von Wärme verhindert. Erhitzt wird dieses Wasser durch Sieden in einem oder mehreren gefeuerten Kesseln, und dann gefördert von Doppelhubpumpen, die entweder durch eine hydraulische Wippe oder ein Laufrad angetrieben werden können. Diese Grabenbodenheizung ist jedoch mit dem Makel des erheblichen Bedarfes an Brennstoff behaftet. Der für eine mittlere Festungsanlage geschätzte Brennstoffbedarf für eine durchschnittliche Belagerung von einem bis eineinhalb Eichenwäldern übersteigt in der der praktischen Anwendung die Lagerkapazitäten der meisten Festungswerke.

      Ein sinnvollerer Ansatz behält Kessel und Pumpe bei, verlegt jedoch die Rohre, so dass sie dem Wehrgang überhängend angeordnet sind. Durch kleine Löcher in den Rohren fällt das Wasser als konstanter Regen in den Graben herab, wo es sich auf den Oberflächen der Rakhs als Eis akkumuliert und diese in ihren Bewegungen hemmen kann. Der entscheidende Vorteil dieses Systems, das nach seinem Entwickler, Ekkehardt Sprenkler benannt ist, liegt im Brennstoffbedarf. Das Wasser muss nicht bis zum Sieden erhitzt werden, sondern nur so weit, dass es in den Kupferrohren nicht einfriert. Der Nachteil des steten Bedarfes an Frischwasser bedeutet jedoch, dass Festungen mit Sprenkler-Anlage nur in der Nähe von Gewässern errichtet werden können.

      In einer Abstraktion des Konzeptes, die beispielsweise auf dem Sommerfeldzug zum Einsatz kommen könnte, werden Kessel und Pumpe ausreichend miniaturisiert, um sie auf einem Wagen zu montieren, von dem aus mit geeigneten Düsen der Wasserstrahl zielgerichtet auf den Feind gelenkt werden kann. Die Entwicklermannschaft der Sektion Z im Hofamt für das Kriegswesen bezeichnet dieses Gefährt als Wasserwerfer, obwohl es der Funktion nach eher ein Wasserschießer sein sollte.


      Mit den neuen, hoch isolierten Soldaten mit Waffen aus tieftemperaturfestem Stahl, dem neuen Festungskonzept mit Sprenkler-Anlage und einem Prototypen für den Wasserschießer, der noch vor dem Schneeeinbruch fertigt gestellt werden soll, ist zu erwarten, dass die Vernichtung des schwarzen Eises demnächst nur mehr lästige Pflicht sein wird, statt gefährliche Mission.

      Nachsatz: Der unbetreitbare Wert dieser Erfindungen sollte zwingend in den Gedanken münden, dieses Wissen zu schützen, und es vor Nachahmern zu bewahren. Daher ist die Einführung eines Patentamtes im östlichen Siegel empfehlenswert. Mit den siegelweit angemeldeten Patenten könnte Falkenstein diese geschützten Technologien wirtschaftlich Nutzen. Erste Projektionen ergeben, dass Lizenzgebühren und Mietrechte, sowie die Verleihung Falkensteiner Baumeister zur Errichtung von Festungswerken zu Einnahmen führen könnten, die zwischen absurd und lächerlich erwartet werden. Im Erfolgsfall könnten Weiterentwicklungen angestrebt werden wie etwa ein Farbwerfer, zum Verschießen von Chromweiss auf Drow, oder Kräutertees auf die Ölige Pestilenz. Die Idee eines ehemaligen Baumeisters, der nun nach der Aufgabe seines bürgerlichen Namens als Agent J in der Sektion Z arbeitet, die Grabenbodenheizung zur zentralen Beheizung von Behausungen einzusetzen, wurde bereits in der Projektierungsphase als absurder Gedanke ohne Marktpotential abgetan.



      Handschriftliche Notiz: Wenn ich den Idioten finde, der, während ich eine Stunde in einer weiteren sinnlosen Besprechung verbringe, so einen Quatsch in meine Unterlagen kritzelt, dann zieht der das nächste Mal nackt bis auf den Eisenhut in den Kampf. Im Schnee. Und ohne Frühstück.

      Ergänzung der handschriftliche Notiz: weiße Farbe auf Drows schießen? Hm… lass mich nachdenken.